Saisonbericht der ersten SKB-Mannschaft in der 2. Bundesliga oder
Was 2 Forfaits alles bewirken können



Nach dem Weggang unserer 3 talentierten Junioren, die vor zwei Jahren für den Aufstieg in die 2. BL verantwortlich zeichneten, war uns natürlich bewusst, dass wir nur mit einer ausserordentlichen Leistung und einer gehörigen Portion Glück den Ligaerhalt schaffen würden. Aber wir glaubten von Beginn weg an unsere Chance und haben sie schliesslich, widriger Umstände zum Trotz, auch wahrgenommen. Auf dem Papier waren wir das klar schwächste Team in der Gruppe, doch einige der anderen Mannschaften schienen indes auch nicht unschlagbar zu sein. So rechneten wir uns denn bereits in der 1. Runde gegen Birseck einige Chancen auf Punkte aus. Doch unsere diesbezüglichen Hoffnungen wurden durch eine Kanterniederlage (es sollte nicht die letzte sein) brutal zunichte gemacht. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel, sagten wir uns, und blickten der nächsten Begegnung gegen das zweitschwächste Team der Gruppe, der nur geringfügig stärkeren Equipe von Fribourg, wohlgemut entgegen. Unsere Zuversicht wurde dann aber doch etwas gedämpft, als sich herausstellte, dass just an diesem möglicherweise bereits vorentscheidenden Spieltag diverse Absenzen zu beklagen waren, und wir deshalb nur zu sechst, mit 2 Forfaits in der Tasche, in die Saanestadt reisen würden. Die Fribourger waren ob dieser zwei geschenkten Einzelpunkte in diesem äusserst wichtigen Match höchst erstaunt und beglückt, doch schliesslich sollten sich diese Gratispunkte als Danaergeschenk entpuppen. Es ist wahrscheinlich, dass die Fribourger dadurch zu Spielbeginn etwas aus dem Tritt geworfen wurden und in den Partien dann, ob unbewusst oder bewusst, mit den zwei Vorgabepunkten im Hinterkopf, zu zögerlich agierten. Wir auf jeden Fall spielten, als sei nichts gewesen, munter drauflos, und konnten dank dieser Unbekümmertheit (und natürlich auch unserer grossen Klasse wegen ;-) ) die an allen Brettern elomässig etwas stärkeren Gegner mit 5 Siegen und einem Remis deutlich besiegen! WOW! Sensationell! Ein Sieg für die Geschichtsbücher des SKB! Unser direkter Konkurrent im Kampf gegen den Abstieg war damit vorerst einmal klar zurückgebunden! Und wir dachten, mit diesem Sieg hätten wir den entscheidenden Schritt in Richtung Ligaerhalt bereits getan. Weit gefehlt! Denn während wir in den nächsten Runden gegen die deutlich stärkeren Mannschaften, die teilweise mit Grossmeistern antraten, resultatmässig zwar relativ hoch, stellungsmässig aber oft nur sehr knapp und erst nach hartem Kampf verloren, hatte Fribourg inzwischen 3 Punkte auf seinem Konto! Wir mussten also unbedingt wieder punkten, und die nächste Gelegenheit dazu bot sich uns in der 6. Runde gegen Baden, die auch nur 2 Punkte totalisierten, doch deutlich mehr Einzelpunkte aufweisen konnten. Die Badener wussten auch, um was es ging und traten an den ersten 6 Brettern mit ihren stärksten Spielern, die allesamt etwa 200 Elo mehr aufwiesen als wir, an. Gegen diese geballte Kraft konnten wir diesmal gar nichts ausrichten und mussten uns mit nur 3 Remis deutlich geschlagen geben. Es schien, als sei damit das Ende der Bundesligazugehörigkeit des SKB besiegelt. Doch noch blieb eine Runde zu spielen, und die Konstellation in der Gruppe liess noch einen Funken Hoffnung zu: Sollte nämlich Fribourg gegen den Gruppenersten Nyon verlieren, was anzunehmen war, so konnten wir uns mit einem Sieg gegen Tribschen immer noch retten! Es galt nun also, für diese letzte Runde die stärkste Mannschaft aufzustellen. Doch o weh: Wie schon zu Saisonbeginn gegen Fribourg standen ausgerechnet an diesem entscheidenden Samstag diverse Spieler für einen Einsatz nicht zur Verfügung. Und so kam es, dass wir für unser Schicksalsspiel wiederum nur zu sechst nach Luzern reisten. Unglaublich, aber wahr! Doch wir hatten den Sieg in Unterzahl gegen Fribourg noch in bester Erinnerung, zudem war es anderen Teams des SKB auch schon mehrere Male gelungen, trotz (oder wegen?) solcher Nachteile Siege zu erzielen. Wir wollten also dieses Punktedefizit wieder als aussergewöhnliche Motivationsspritze benutzen, um über uns hinauszuwachsen. Es kam uns wohl auch entgegen, dass für Tribschen als Mannschaft dieses Spiel bedeutungslos war. Und Toni Riedener verzichtete als Mitglied beider Klubs vernünftigerweise auf einen Einsatz, um eventuelle Interessenskonflikte zu vermeiden! Der Wettkampf entwickelte sich zu Beginn für uns sehr günstig, denn Roland konnte seinen Gegner mit seinem geliebten GrandPrix-Angriff schon sehr bald Matt setzen. Das war genau was wir brauchten: Einen frühen Anschlusstreffer! Als aber Lukas eine aussichtsreiche, bzw. wie er später meinte, sogar gewonnene Position zum Remis verflachen liess, wurde uns bewusst, dass ein allfälliger Sieg noch in weiter Ferne lag. Lukas war über die Entwicklung seiner Partie sicherlich ein wenig betrübt, so dass er, wohl nicht mehr an unseren Sieg glaubend, sich bereits ziemlich früh auf den Heimweg machte. Aber an den anderen Brettern sah es dennoch recht freundlich aus. Zeno an Brett 1 hatte seinen Gegner gut im Griff, Dominik an Brett 6 eine Qualität mehr und ich an Brett 5 hatte ebenfalls eine vorteilhafte Position. Einzig Volker litt nach Ungenauigkeiten in der Eröffnung unter einer beengten Stellung. Nach einer Weile überstürzten sich dann die Ereignisse: Dominik musste nach starkem Spiel leider trotz Mehrqualität schweren Herzens ins Remis einwilligen, Zeno führte seine Partie souverän zum Sieg, und als auch Volker, nachdem er mit einem spekulativen Figurenopfer seinen Gegner aus dem Gleichgewicht gebracht hatte, einen groben Schnitzer desselben zum Sieg nutzte, war das Match für uns schon praktisch gewonnen. Denn ich selber hatte mittlerweile eine Figur mehr und eine eigentlich klare Gewinnposition, die aber nicht ganz einfach zu verwirklichen war. Da uns ein Unentschieden zum Sieg und zum Ligaerhalt reichte, gebot es die Situation natürlich, dem Gegner ein Remis zu offerieren, welches er auch bereitwillig annahm. Damit stand es also 4.5 zu 3.5 für den SKB, der einmal mehr seine Fähigkeit unter Beweis stellte, in Unterzahl zu glänzen. Ein fantastischer und unglaublich wertvoller Sieg, der uns alle mit grossem Stolz erfüllt! Wir haben so Fribourg, das gegen Nyon wie erwartet hoch verlor, noch auf der Ziellinie überholt und uns damit mindestens eine weitere Saison in der zweithöchsten Klasse gesichert! Dieser Sieg gegen Tribschen ist ein würdiger Höhepunkt einer tollen und aufregenden SGM-Saison 12/13, die uns allen, die wir daran beteiligt waren, gewiss noch lange in bester Erinnerung bleiben wird. Vielen Dank an alle, die während dieser Saison im Team der 2. Bundesliga mit grossem Einsatz gespielt, gekämpft, gelitten, gezittert, gehofft und schliesslich gesiegt haben!

J-M. Horber / 24.3.2013


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