Rocamor gewinnt dramatischen Cupfinal: gelbe Karte / Kapo Bern vor Turnierlokal / Hustanfall des ML


Nach langen 15 Jahren Warten gewinnt Rocamor in den Lokalitäten des SKB den Teamcup!

Im Jahre 1997 war es mir vergönnt mit Maestro Giancarlo Franzoni, Schürgi Trefzer und Jürgen Strauss den Teamcup gegen die SG Zürich zu gewinnen.

Es herrschte gestern eine unheimlich knisternde und spannungsgeladene Stimmung vor dem grossen Match - für André, Roland und Thömu war's der erste Cupfinal aber auch für mich war dies ein neuer riesiger Höhepunkt meiner «Schachkarriere». Réti ZH war zu favorisieren wegen dem klaren Uebergewicht am 1. Brett mit GM Bogner gegen unseren Altmeister André - somit war uns an den hinteren Brettern klar - dass wir versuchen mussten unbedingt 2.5/3 zu holen - oder würde André gegen den deutschen Grossmeister doch etwas «reissen können»?

Der Match begann ausgezeichnet - Roland überrannte seinen Gegner in der sizilianischen Grandprix-Variante und gewann haushoch. Ich selbst hatte mich seit langem wiedermal für einen Schachmatch vorbereitet - und nach fast 6 Jahren ohne Fritz mir noch schnell eine CD bei Chessbase geordert - Und es kam meine Lieblingsvariante auf den Tisch , die Winawer Verteidigung in der franz. Partie: 1. e4 e6 2. e4 d5 3. Sc3 Lb4 4. e5 c5 5. a3 Lc3: (hier hatte ich mich auf 5. - La5 lange vorbereitet; doch die Hauptvariante gefällt mir natürlich auch bestens) 6. bc: Da5!? (Dc7 ist mir geläufiger, aber dieser Damenausflug sollte mich eigentlich auch nicht besonders stören) 7. Ld2 Da4 8. Dg4 g6 9. c4?! (zu voreilig gespielt - einfach normal entwickeln mit Sf3, Ld3, 0-0 war angesagt - Fritz schlägt sogar Ta2 als best move vor aber den Bauer auf c2 kann man getrost geben und muss einfach gut stehen) nun kam es zu Verwicklungen, die mir schlussendlich ein Doppelturmendspiel mit einem Minusbauern einbrachten - die Analyse zeigte dass trotz Minusbauer die Stellung remis gewesen wäre - ich spielte leider nie den Sprengungszug um die verbundenen Freibauern von Schwarz zu entschärfen und verlor noch.

Somit war die gute Ausgangslage vertan die Roland vorgelegt hatte. Inzwischen füllte sich der Zunftsaal mit vielen Zuschauern - auch Toni Riedener fand den Weg aus der fernen Innerschweiz nach Bern und begrüsste Thömu Wälti - da schritt die TC-Leiterin beherzt ein und zeigte Thömu die 1. Gelbe Karte - ein absolutes Novum für mich dass in Schachwettkämpfen Verwarnungen ausgesprochen werden - glücklicherweise verliert man bei der Regel von Ruth Bohrer erst nach der 3.gelben Karte.! Sie war wohl der Meinung dass Toni einen Tipp abgegeben haben soll? Doch Thömu hatte keine fremde Hilfe nötig - er liess seinem Antipoden Adrian Siegel keine Chance und es stand 2-1 für Rocamor. Hatte ich mit meinem verpassten Remis den Sieg verspielt? Glücklicherweise nein - André holte gegen den 21-jährigen deutschen GM Sebastian Bogner noch die Kastanien aus dem Feuer. Nach einer fast sechsstündigen Abnützungsschlacht konnte André das verdiente Remis gegen den GM vermelden - es brach Jubel aus und es wurde laut geklatscht - Rocamor hat den Teamcup gewonnen!

André musste aber beinhart kämpfen mit einem Minusbauer in einem Turmendspiel - zwischendurch mit nur noch ca. 8 Minuten auf dem Wecker vergass er urplötzlich die Uhr zu drücken - eine grosse Schrecksekunde für Rocamor - und was macht da der ML von Rocamor - er hat einen kleinen Hustanfall - der millionenschwere Arzt und Mäzen Adrian Siegel von Réti ZH schaut mich sehr böse an - doch die Hauptsache ist, dass André die Uhr seines Gegners wieder in Bewegung gesetzt hat!

Nun kommst zur grossen Sause - Weisswein und Bier fliessen in rauhen Mengen in die durstigen Kehlen und wir brechen zum Feiern in ein Esslokal auf. Kaum im Lokal angekommen bekomme ich einen Anruf von meiner Frau - ich soll mich sofort bei der Kantonspolizei melden. Nach erfolgtem Anruf beordert mich die Kapo erneut zum Zunftlokal - haben die Schachhooligans zugeschlagen? Nein, unser lieber Schachfreund Schürgi Trefzer war bei unserem Abgang noch auf der Toilette und wurde im Zunftlokal eingekerkert - ohne Handy ausgerüstet und mit einem leichten Alkoholpegel kann er sich auf der Münstergasse bemerkbar machen - zusammen mit zwei Berner Kantonspolizisten befreien wir unserern lieben Schachfreund...

Der gestrige Sonntag, 16. Dezember 2012 wird noch lange in Erinnerung bleiben und wir werden wohl noch in Jahren über diesen grossen Cupsieg schwelgen.

Ich werde die Mannschaftsleitung für den Teamcup abgeben und hoffe natürlich, dass mein Nachfolger nicht wieder 15 Jahre warten muss um den grossen Bergkristall zu holen - im Gegensatz zu vielen anderen Sportlern habe ich den Höhepunkt als Abgang ausgewählt.

Ich wünsche Euch schöne Weihnachten und ein erfolgreiches 2013.

Herzliche Grüsse
Mätthu Roth



Die Teamcuphelden 2012 vor dem Klublokal:

Teamcuphelden 2012



Einzelresultate:

Rocamor Bern-Réti Zürich:
IM André Lombard-GM Sebastian Bogner½:½
Roland Bürki-Edmund Hofstetter1:0
Thomas Wälti-Adrian Siegel1:0
Matthias Roth-Roman Schnelli0:1